MAWSpitaus Gedankenblitze

Die (wirren) Gedanken eines Menschen.

Soziale Medien sind auch für Lehrer:innen toxisch...

02. November 2021 — Marcel A. W. Spitau

Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Influencer auf Instagram, Twitter, TikTok etc. in der Regel kein Bild hochladen, das nicht bearbeitet ist, ist klar, warum gerade junge Menschen ein verquertes Bild vom Menschsein hat.

  • man muss perfekt aussehen
  • man muss täglich 3 Stunden Workout machen
  • man muss nachhaltig reisen
  • man muss sich vegan ernähren
  • man muss nur Kaffee trinken, der von einer kleinen Klitsche im Hinterhof geröstet wurde
  • man muss Menstruationstassen anstelle von Tampons nutzen
  • man muss ...

Aber Hand auf's Herz: Schon während meiner Schulzeit haben wir im Unterricht das Bild von Menschen in der Werbung besprochen und uns sollte bewusst gemacht werden, dass die Werbung nur versucht, Dinge zu verkaufen und aus diesem Grund die Menschen möglichst optimal dargestellt werden.

Nun muss man die sozialen Medien ja schon irgendwie als Werbeplattform definieren. Die ganzen Influencer:innen spamen den Rest der Welt mit einer Version der heilne Welt von sich zu und man bekommt nur geschönte Bilder der Wirklichkeit. Unser Gehirn sieht diese perfekte Welt und vergleicht diese mit der, in der wir Leben. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen unter Depressionen leiden, Drogen nehmen und mit der Welt hier nicht klar kommen.

Das Problem ist, dass wir Akademiker:innen das Ganze ja geblickt haben und uns klar ist, dass die Models und Waschbrettbäuche im Prinzip alle nicht real sind und wir uns mit denen nicht vergleichen müssen.

Aber was ist dann mit all den Lehrer:innen, die wie wild ihre herrlichen und perfekten Unterrichte darbieten, immer alles einlaminiert haben, nichts dem Zufall überlassen, unzählige Methoden ausprobieren und dann auch noch Zeit neben der vollen Stelle haben, einen Youtube-Kanal zu befüllen, 35 Bücher zu schreiben, lustige Tik-Tok-Videos zu machen und noch ein Familienleben mit drei eigenen Kindern, zwei Patchwork-Kindern und zwei Pflegekinder inkl. selbstversorgendem Garten und Meditationsausbildung auf die Reihe kriegen? Und du? Du kackst gerade als Single in einer Mietwohnung im dritten Stock mit finanzieller Unterstützung Deiner Eltern im Referendariat ab. -- Looser.

Ich finde den Austausch der Lehrenden im Netz wunderbar. Dadurch, dass sich dieser Austausch immer mehr auf einer visuellen Ebene (Instagram, TikTok...) stattfindet und weniger auf einer kognitiven (twitter [Auch nur noch bedingt.], eigene Blogs, Podcasts...) baut sich eine Realität in den Köpfen der Menschen auf, die es so gar nicht gibt.

Vielleicht bin ich ein Ewig-Gestriger vielleicht bin ich auf dem Weg zum alten weißen Mann und dennoch möchte ich gerade alle jungen Kolleginnen und Kollegen ermutigen, sich der Wirkung, der Gefahren und der Beeinflussung bewusst zu sein und hier und da gegen die Algorithmen zu handeln.

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Schlagworte: meta, socialmedia, instagram, twitter, gehirn, influencer

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